Walstan von Taverham, Gerechter

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Gedächtnis: 30. Mai

Der heilige Gerechte Walstan von Taverham wurde gegen Ende des 10. Jahrhunderts in Ostanglien geboren. Nach der Überlieferung stammte er aus Bawburgh in Norfolk und war der Sohn von Benedict und Blida. Spätere Lebensbeschreibungen schreiben seiner Familie königliche Abstammung zu, doch lässt sich diese Angabe historisch nicht näher bestimmen. Schon als Kind erhielt Walstan eine christliche Erziehung und zeichnete sich durch große Frömmigkeit aus. Besonders das Wort Christi, dass niemand Sein Jünger sein könne, der nicht allem entsage, was er besitzt, soll ihn tief bewegt haben.

Im Alter von etwa zwölf Jahren entschloss sich Walstan, auf sein Erbe und ein Leben in Wohlstand zu verzichten. Er verließ sein Elternhaus und begab sich nach Taverham bei Norwich, wo er sich als einfacher Landarbeiter verdingte. Obwohl er ein Leben der Entsagung und Keuschheit führte, trat er nicht in ein Kloster ein. Vielmehr verwirklichte er seine asketische Berufung mitten in der täglichen Arbeit auf den Feldern. In Fasten, Gebet, Demut und körperlicher Arbeit diente er Gott und seinen Mitmenschen und betrachtete seine Arbeit selbst als Dienst für Christus.

Walstan war besonders für seine Barmherzigkeit gegenüber Armen und Bedürftigen bekannt. Von seiner Nahrung, seinem Lohn und seiner Kleidung gab er denen, die weniger besaßen als er selbst. Als er einmal einem Bedürftigen seine Schuhe schenkte, missfiel dies der Frau seines Dienstherrn. Um ihn für seine Freigebigkeit zu bestrafen, befahl sie ihm, barfuß Dornen und Disteln auf einen Wagen zu laden. Walstan gehorchte ohne Widerrede, doch die scharfen Dornen verletzten seine Füße nicht. Als die Frau dies sah, erkannte sie ihr Unrecht und bat ihn um Vergebung, die Walstan ihr ohne Zögern gewährte.

Durch viele Jahre hindurch verrichtete er treu seine Arbeit und gewann durch seine Demut und Güte die Liebe seines Dienstherrn. Dieser wollte ihn schließlich für seine treuen Dienste zum Erben einsetzen. Walstan lehnte jedoch allen Besitz ab und erbat sich lediglich die Nachkommen einer bestimmten Kuh. So gelangten zwei Rinder in seinen Besitz, die später mit seinem Tod und seiner Bestattung untrennbar verbunden wurden.

Walstan setzte sein verborgenes Leben des Gebetes und der Arbeit fort. Während er eines Freitags auf einer Wiese mähte, erschien ihm nach der Überlieferung ein Engel und kündigte ihm an, dass er am dritten Tag aus diesem Leben scheiden und in das Paradies eingehen werde. Walstan nahm diese Botschaft in Frieden an und bereitete sich auf seinen Tod vor. Er beichtete seine Sünden und empfing die heiligen Mysterien sowie die Krankensalbung.

Als der angekündigte Tag gekommen war, ging Walstan dennoch wie gewöhnlich seiner Arbeit nach. Auf der Wiese versammelte er seinen Dienstherrn und seine Gefährten um sich und nahm Abschied von ihnen. Am 30. Mai 1016 entschlief er friedlich im Herrn.

Vor seinem Tod hatte Walstan darum gebeten, seinen Leib auf einen Wagen zu legen, die beiden Rinder davorzuspannen und sie ohne menschliche Führung gehen zu lassen. Man sollte ihn dort bestatten, wohin Gott durch die Tiere seinen Leib führen würde. So geschah es. Die Rinder zogen den Wagen mit dem Leib des Heiligen von Taverham fort und nahmen den Weg in Richtung Bawburgh.

Der Überlieferung zufolge war dieser letzte Weg Walstans von Wundern begleitet. Bei Costessey durchquerten die Rinder mit dem Wagen auf wunderbare Weise tiefes Wasser. An mehreren Stellen ihres Weges entsprangen Quellen. Eine dieser Quellen nahe Bawburgh wurde später besonders mit dem Gedächtnis Walstans verbunden und galt wegen der dort geschehenen Heilungen als wundertätig. Schließlich erreichten die Rinder Bawburgh, wo Walstan in der Kirche bestattet wurde.

Schon bald wurde sein Grab zu einem Ort der Verehrung. Zahlreiche Menschen suchten dort seine Fürbitte und Heilung von Krankheiten. Besonders Bauern und Landarbeiter verehrten Walstan als ihren Fürsprecher, und auch bei Krankheiten von Nutztieren wurde seine Hilfe angerufen. Die mit ihm verbundenen Quellen wurden von Pilgern aufgesucht, und zahlreiche Heilungen wurden seiner Fürbitte zugeschrieben. So verbreitete sich seine Verehrung weit über die unmittelbare Umgebung von Bawburgh hinaus.

Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich Bawburgh zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. In der Kirche entstand eine eigene Kapelle für den Schrein des heiligen Walstan, an dem Priester ihren Dienst versahen und die Pilger empfingen. Auch bildliche Darstellungen seiner Vita verbreiteten sich in ostenglischen Kirchen. Walstan wurde gewöhnlich als junger Landarbeiter mit Sense dargestellt, häufig begleitet von den beiden Rindern, die seinen Leib nach Bawburgh gebracht hatten. Auf diese Weise blieb gerade jene Lebensform im Gedächtnis der Gläubigen lebendig, durch die er geheiligt worden war: ein Leben einfacher körperlicher Arbeit, verbunden mit Gebet, Fasten, Keuschheit, Barmherzigkeit und tiefer Demut.

Während der Reformation wurde sein Heiligtum in Bawburgh zerstört und seine Reliquien gingen verloren. Seine Verehrung erlosch jedoch nicht völlig. Die mit ihm verbundene Quelle blieb erhalten, und sein Gedächtnis wurde in Norfolk über die Jahrhunderte bewahrt. Auch heute wird der heilige Walstan als Fürsprecher der Bauern, Landarbeiter und all jener verehrt, die ihren Lebensunterhalt durch die Arbeit auf dem Land verdienen.

Das Leben des heiligen Gerechten Walstan zeigt in besonderer Weise, dass die Heiligung des Menschen nicht an ein bestimmtes kirchliches Amt oder an das Leben innerhalb eines Klosters gebunden ist. Walstan suchte Christus in der freiwilligen Armut, im Gebet und in der alltäglichen Arbeit. Mitten auf den Feldern von Taverham führte er ein Leben der Askese und Barmherzigkeit und wurde dadurch selbst zu einem Arbeiter für jene Ernte, von der Christus spricht.

Quellen: De Sancto Walstano Confessore, überliefert in Wynkyn de Wordes Ausgabe der Nova Legenda Anglie; Lambeth Life of Saint Walstan, Lambeth Palace Library, MS 935, Nr. 8; M. R. James, „The Life of St Walstan“; Joy of All Who Sorrow Orthodox Church, „St Walstan of Taverham“.

Gebete

Troparion (4. Ton)

O heiliger Gerechter Walstan, du hast deine Heimat verlassen, um auf den Feldern von Taverham für Christus zu arbeiten. Durch Fasten, Gebet und große Demut hast du viele für die Ernte Christi gesammelt. Der Herr hat dich als Heiligen gekrönt und dir die Gnadengabe der Wunder verliehen. So bitte Ihn, dass unsere Seelen gerettet werden.

Kondakion (4. Ton)

Du hast die Gnade der Heilung empfangen, o gerechter und wundertätiger Walstan, und schenkst den Bedürftigen Gesundheit. Bitte für uns und wehre die Angriffe des Feindes ab, und heile uns alle durch deine Wundertaten.